Was gibt Halt in Zeiten von Corona? Das Märchen ‚Vom Wasser des Lebens‘

Wir alle sind verunsichert durch diese kaum fassbare Bedrohung. Immer neue Statistiken mit roten Zahlen und Reportagen voller Särge machen es nicht besser. Mitte März hat der Staat mit seiner Macht sehr konkrete Einschränkungen ausgesprochen. Diese treffen uns alle, appellieren an unsere Solidarität und fordern ein Zusammenstehen in der Krise ein.

Bereits seit der Flüchtlingskrise in 2015 wussten wir, dass wir hier im ‚gelobten Land‘ leben. Doch gefühlt haben wir das nicht. Die Freiheit wurde vielmehr dafür genutzt, sich über alles Mögliche und Unmögliche zu beschweren. Häufig wurden Appelle und Erwartungen geäußert, selten wurde selbst Hand angelegt, um die Dinge voranzubringen. So wie wir es auch jetzt wieder von den ganz Ungeduldigen hören.

Die vorgegebenen Beschränkungen haben uns maximal auf uns zurückgeworfen – wir leben und arbeiten von Zuhause aus, allein oder im engen Familienverbund. Vieles von dem, was uns sonst wichtig war, entfällt und lässt sich kaum online kompensieren. Da stellt sich plötzlich die entscheidende Frage – was ist wichtig im Leben? Wie lässt sich diese Krise bewältigen und mehr als das – was braucht es für ein glückliches und erfülltes Leben (außer Toilettenpapier)? Was können wir hier und heute lernen, was mitnehmen als wertvolle Erfahrung? Antworten darauf liefert uns das Märchen ‚Vom Wasser des Lebens‘, in dem es um ähnliche Verhältnisse geht:

Ein kranker König braucht das Wasser des Lebens, um wieder gesund zu werden. Von drei Söhnen scheitern zwei bei der Suche, weil sie nicht auf die Bedingungen eines anderen eingehen können Der fremde Ratgeber ist im Märchen der Zwerg, der hätte helfen können… Da die beiden Brüder zu ihm unfreundlich waren, werden sie eingesperrt und eingeklemmt.

Der dritte, der es mit dem Zwerg kann, kommt weiter in ein verzaubertes Schloss. Dort findet er das gesuchte Wasser, Liebe, Brot und Schwert – dafür wird er bestimmten Bedingungen unterworfen. Wenn er die Bedingungen vernachlässigt oder verschläft, braucht er Glück, um davonzukommen. Es gelingt ihm, er kann sogar die beiden Brüder befreien. Doch diese danken es ihm nicht. Aus Sorge, beim Erbe zu kurz zu kommen, vertauschen sie das Lebenswasser gegen Meerwasser.
Sie setzen sich damit an die Stelle des dritten, des eigentlichen Retters, der wieder nur mit Glück dem Todesurteil durch seinen Vater entkommt.

Seine Geliebte (die Jungfrau aus dem Zauberschloss) hat inzwischen ihrem Retter eine goldene Straße gebaut – nicht die zwei Brüder, die das Goldene schonen, sondern der dritte, der an nichts anderes als seine Sehnsucht nach ihr denkt und das Gold dabei zertritt, ist der wahre Erlöser.

Die Ausgangslage des kranken Königs entspricht unserem Land in Zeiten von Corona. Wir alle wissen, schon vor dieser Krise lag hier einiges im Argen. Behandlung ist also dringend erforderlich, unser ‚Lebenswasser‘ sind Impfstoffe, Masken und Schutzkleidung. Deren Mangel verweist auf Versäumnisse im Vorfeld der Krise (im Ausland bestellt wegen des günstigeren Preises = Berechnung).

Wer wie die zwei Brüder im Märchen unfreundlich und mit festen/vor gefassten Meinungen loszieht, der kann nichts anderes entdecken, zulassen oder sich gar darauf einlassen. Das sind die, die gerade nur an sich denken, hamstern und Auflagen missachten. Da geht es um Berechnung und Verrat, ein durchgängiger Zug im Märchen, von dem keine Rettung ausgeht, sondern vielmehr eine Zuspitzung der Verhältnisse. Am Ende führt das jedoch ins Unglück. So beobachten wir gerade, dass Regierungen, die nur an sich selbst und nicht an ihre Verantwortung für ihre Bevölkerung denken, demnächst nicht wiedergewählt und so entmachtet werden.

Wer offen und freundlich ist, der hat es weder nötig, sich über Andere zu erheben, noch diese in Frage zu stellen. Nur so jemand kann uns alle retten! Wie haben wir z. B. bisher über Berufe wie Pflegekräfte, Krankenschwestern und Kassiererinnen gedacht? Mit Sicherheit hätten wir sie nicht als ‚systemrelevant‘ beschrieben, doch genau das waren sie immer schon! Sie retten uns unter Einsatz ihres Lebens.

Das Märchen schildert, dass es beides braucht: einen eigenen Antrieb (den König retten) und die Hilfe von anderen (dem Zwerg), um dieses Ziel zu erreichen. Das gilt genauso für den zu entwickelnden Impfstoff. Dafür braucht es hochkarätige Wissenschaftler und das gespendete Blutplasma der bereits Genesenen. Für diese Art von Hilfe muss man bereit sein, auf das Eingehen können, was von Anderen dafür erwartet wird. Das muss man können oder jetzt eben ganz schnell lernen… z. B. bei der Soforthilfe und anderen unterstützenden Maßnahmen des Staates, die nur zu ganz bestimmten Bedingungen bewilligt werden.

Nochmals im Überblick zusammengefasst:

Das Märchen erzählt von einer Mission, die uns so bewegt, dass wir nicht mehr auf Gold und Vernunft achten. Diese Mission können wir nie alleine erfüllen, dafür brauchen wir immer die Unterstützung von anderen. Diese haben ihre eigenen Vorstellungen, die gilt es zu berücksichtigen und ihnen entgegenzukommen.

Unsere Mission tragen wir in uns. Wir können uns häufig daran erinnern, was uns als Kind wirklich wichtig erschien im Leben. Das geht dann unterwegs verloren, wird verdrängt oder als ‚unrealistisch‘ abgestraft. Gehen wir zurück zum Anfang und beginnen nochmal neu: wertschätzend und respektvoll im Umgang mit anderen, privat und beruflich mit Blick für die kleinen Dinge des Lebens. Geben und Nehmen bringt uns alle weiter und schützt vor Berechnung und Verrat durch wenige Andere.

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